Rumänien 2018: Zeitreise in Siebenbürgen

Am 30.09. sind wir für eine Woche Kurzurlaub mit niedrigen Erwartungen nach Rumänien geflogen, obwohl wir bereits Positives über Rumänien als Reiseland gehört haben.

Wir können sagen, dass wir von Rumänien mehr als überrascht wurden und man nur selten so treffend von einer Zeitreise sprechen kann wie in Siebenbürgen (Transsylvanien), einem Teil Rumäniens.

Gelandet sind wir in Iasi, per Direktflug aus Dortmund. Von dort ging es mit einem Mietwagen weiter nach Schäßburg (Sighisoara), Hermannstadt (Sibiu), Biertan, Groß-Kopisch (Copsa Mare), die Transfaragasan-Straße, Magura, Kronstadt (Brasov), Rasnov, Deutsch-Weißkirch (Viscri), Coasterf, Deutsch-Kreuz (Crit), Mesendorf, Kreuzburg an der Bistriz und wieder nach Iasi. Fahrzeit insgesamt ca. 27h. Die Straßen sind natürlich stellenweise holprig, aber Geschwindigkeitsbegrenzungen muss man sich nicht wirklich halten.

Besuchte Orte von uns:
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Der See Lacu-Rosa:

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Kürtőskalács (Baumstrietzel), ein Hefeteig mit Zucker, sehr lecker:

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Der aufmerksame Leser hat bemerkt, dass viele der genannten Städte deutsche Namen tragen und wer wie wir mit der rumänischen Geschichte nicht so vertraut ist, dem wird die folgende kurze Erklärung Aufschluss bringen:

Im 12. Jahrhundert herrschten für die Bewohner in und um Köln, Trier, Luxemburg, Lothringen, sogar bis nach Westfalen hinein schlechte Bedigungen, es gab Hungersnöte und Seuchen, sodass man sich aus eigenem Antrieb Richtung Siebenbürgen (Transsylvanien), einem Gebiet in Zentral-Rumänien südlich der Karpaten, nördlich der Walachei aufmachte. Dem König des noch damaligen Königreiches Ungarn kam das zum Schutz der Grenzen gegen Mongolen- und Tatareneinfälle und zur wirtschaftlichen Erschließung des Landes zu Gute, sodass die Deutschen besondere Privilegien, wie freie Pfarrwahl und zunächst Steuerfreiheit genossen und sich dort niederließen, man nannte sie fortan und bis heute „Siebenbürger Sachsen“. Sachen ist übrigens ein Übersetzungsfehler von Saxones, wie man sieht haben die Einwanderer nichts mit den Sachsen gemeinsam.
Über die Jahrhunderte prägten die Siebenbürger Sachsen ihre Kultur und galten als intellektuell und technologisch fortschrittlichste Ethnie in Rumänien. Alle Siebenbürger Sachsen haben den evangelisch lutherischen Glauben und besonderes Merkmal der Dörfer sind die Kirchenburgen, also Kirchen mit einer Art Burgmauer herum, zum Schutz vor den Feinden:

Kirchenburg in dem kleinen Dorf Deutsch-Weisskirch (Viscri), hier kommt übrigens jedes Jahr Prinz Charles vorbei und hat dort mittlerweile sogar ein kleines Häuschen, da er von dem Charme Siebenbürgens so begeistert ist:
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Interessant ist, dass in der Mitte nur die Frauen nach einer bestimmten Reihenfolge Platz nehmen durften. Die Männer standen stets außen herum, um im Ernstfall die Frauen zu schützen und Angriffe abwehren zu können:Rumaenien479_FotorRumaenien509Rumaenien516

Hier wird noch Siebenbürger Hausbrot gebacken. Bei 400 Grad bleibt das Brot so lange im Ofen bis sich eine dicke schwarze Kruste gebildet hat, die Kruste wird anschließend mit einem Knüppel abgeschlagen, teilweise kommen in die Brote auch Kartoffeln rein:Rumaenien459_Fotor

Ganz oder gar nicht, wir haben uns auch ein >4kg schweres Brot gekauft, es gibt nur eine Größe!: Rumaenien465

Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen war durch viele Invasionen, beispielsweise durch die Türken geprägt, regelmäßig wurden zehntausende Siebenbürger von den Osmanen entführt. Im Zuge des gegründeten Staates Rumänien Anfang des 20. Jahrhunderts und einer Agrarreform verloren viele Siebenbürger große Teile ihres Grundbesitzes. Im zweiten Weltkrieg kämpften sie zunächst für das Deutsche Reich, später schlug sich Rumänien auf die Seite der Alliierten. Während des 2. Weltkrieges verlor Siebenbürgen ca. 50.000 Siebenbürger Sachsen, in der Nachkriegszeit nochmal ca. 30.000 zur Zwangsarbeit in die UDSSR. Es kam zur erneuten Enteignung und Kollektivwirtschaft.  Nach 1956 wurde ein Teil der konfiszierten Häuser zurückgegeben – im Gegenzug mussten sie dafür jedoch in die Kollektive der kommunistischen Landwirtschaftsbetriebe eintreten.

Das Dorf Groß-Kopisch (Copsa-Mare):Rumaenien119Rumaenien113

Das Dorf Cloasterf:Rumaenien543Rumaenien547

Ab 1969 gab es ein Abkommen zwischen Rumänien und Deutschland, nach dem für jeden Auswanderer nach Deutschland 10.000 DM pro Person an den rumänischen Staat gezahlt wurde. Darüber hinaus wurden die Auswanderungswilligen gezwungen, ihr Eigentum für eine marginale Summe an den Staat abzugeben. 1989 lebten somit nur noch 115.000 Siebenbürger Sachsen in Rumänien, in der Blütezeit waren es >500.000. Nach dem Mauerfall kam es dann zu einer Auswanderungswelle, bei der noch einmal ca. 90.000. Menschen das Land verließen und nach Deutschland zurückkehrten. Ende der 90er gab es noch ca. 20.000 Siebenbürger Sachsen in Rumänien, aktuell sind es ca. 14.000. In den Dörfern gibt es fast nur noch alte Leute, in den Städten wie Kronstadt oder Herrmannstadt gewinnen die Siebenbürger Sachsen jedoch wieder zunehmend an Bedeutung. Der ehemalige Bürgermeister Herrmannstadts ist ein Siebenbürger Sachse und aktuell sogar der Präsident Rumäniens, denn wie man uns sagte mögen die Rumänen die deutschen Tugenden an den Siebenbürger Sachsen.

Die Aussicht aus unserem Zimmer in Schäßburg:IMG_5172

Schäßburg:IMG_5186Rumaenien33Rumaenien44

Deutscher Friedhof in Schäßburg:Rumaenien54IMG_5184

Während die Geschichte der Siebenbürger Sachsen durch viele Plündereien, Enteignungen usw. geprägt war, stand auf der Gegenseite ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl und Gemeindeleben, das durch den Begriff der Nachbarschaft geprägt war. Jede Nachbarschaft bestand aus einer Gasse/Straße und diente der sozialen Absicherung. Durch strenge Regeln und das Einhalten der Bräuche waren der Zusammenhalt der Gemeinschaft und das Überleben der Gruppe möglich, man achtete sehr genau auf das Einhalten der Regeln. Nur durch diese Geschlossenheit war es möglich, dass die Siebenbürger Sachsen sich 850 Jahre als Ethnie halten konnten. Ein Mal im Jahr gab es in jeder Nachbarschaft einen Richttag, bei dem Vergehen geahndet und Strafen verhängt wurden, wie beispielsweise das Fernbleiben bei einer Beerdigung oder wenn man bei Bauvorhaben nicht mitgeholfen hat. Jede Nachbarschaft hatte für eine gewisse Zeit einen Nachbarschaftsvater und einen Jungvater, wer das war wurde regelmäßig rotiert. Es gab ein Nachbarschaftsbuch, in dem alles genau protkolliert wurde, beispielsweise die Geldstrafen etc.. Mischehen mit Rumänen und Roma waren verboten, was es heute für junge Siebenbürger schwer macht einen Partner zu finden. Wie schon beschrieben, waren die Siebenbürger Sachsen sehr gebildet und stets den anderen Ethnien in Rumänien voraus, man hatte schon früh Schulen, Gymnasien und noch heute gibt es in Schäßburg (Sigishoara) ein deutsches Gymnasium, in dem noch heute in den meisten Fächern auf Deutsch unterrichtet wird und das Deutsche Abitur abgelegt werden kann.

Ein Restaurant in Hermannstadt. Man findet häufig urige Restaurants in Kellergewölben:IMG_5232

Kronstadt (Brasov)IMG_5312IMG_5328Rumaenien160

Die Burg Rasnov in der Nähe:

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Wandern nahe dem Dorf Magura, es gibt in Rumänien übrigens die größte Bärenpopulation Europas, wir haben jedoch keinen Bären gesehen: Rumaenien220Rumaenien290IMG_5291IMG_5298Rumaenien314

Ganz in der Nähe von Magura gibt es das Schloss von Vlad III. Draculea, der für seine Grausamkeit und seinen Faible für das Pfählen bekannt war und der Romanfigur Dracula als Vorbild gedient hat:
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Aktuell leben in vielen kleinen Dörfern nur noch wenige Siebenbürger Sachsen, wir haben Dörfer wie Deutsch-Kreuz besucht, in dem aktuell nur noch 11 Gemeindemitglieder leben, in manchen Dörfern sind es noch weniger. So gibt es oftmals einen Pastor für bis zu 20 Gemeinden. Während in den Dörfern der Siebenbürger Sachsen früher auch schon Rumänen und Roma lebten, stets aber die Minderheit waren, sind nun die Deutschen in der absoluten Minderheit. Die Häuser verfallen zunehmend, viele gehören noch ehemaligen Deutschen Aussiedlern, einige werden von Roma geplündert. Für uns war es sehr faszinierend diese Dörfer besuchen und deutschsprachige Einwohner zu treffen, man spricht übrigens ein altes Deutsch, teils auch flämisch, es ist wie eine Zeitreise, da sich nicht viel verändert hat, außer, dass die Häuser zunehmend baufällig werden.

Das Dorf Deutsch-Kreuz (Crit):Rumaenien567Rumaenien573

In Deutsch-Kreuz hatten wir das Glück die 96-jährige Sofia Folberth in der Kirche zu treffen. Sie erzählte uns über 1 Stunde lang über die Siebenbürgische Geschichte und zeigte uns eine original Nachbarschaftslade mit original Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert! Auch die Holzzeichen waren aus dem 17. Jahrhundert und wurden noch bis Anfang der 90er Jahre verwendet. Sofia kommt noch jedes Jahr für mehrere Monate nach Deutsch-Kreuz und versucht alles zu archivieren und zu erhalten.  Die Gemeinde Deutsch-Kreuz hat aktuell noch 11 deutsche Mitglieder. Diesen Winter wird sie in einem evangelischen Altenheim in der Nähe verbringen. Sowohl körperlich, als auch geistig ist sie noch top fit. Rumaenien592

Irgendwo auf dem Weg, man sieht in Rumänien sehr häufig noch Kutschen:Rumaenien154Rumaenien136_Fotor

Typische Roma-Behausung, viele Siebenbürger-Sachsen sind im Übrigen nicht gut auf die Roma zu sprechen, da sie ihnen zu faul und untätig sind und mit Dingen handeln, die sie an anderen Häusern abmontieren:Rumaenien604IMG_5267

Bei Mesendorf:Rumaenien522
In Deutschland sind die Siebenbürger Sachsen weiterhin miteinander vernetzt und in Form eines Vereines organisiert, sodass sie sich nicht nur regelmäßig in Deutschland, z.B. in Dinkelsbühl, sondern auch jährlich in Siebenbürgen treffen.

Die rumänische Küche ist deftig, sehr viel Fleisch, Gulasch, Kohl und Polenta, aber sehr lecker:IMG_5462

Insgesamt hat uns Rumänien und besonders Siebenbürgen sehr positiv überrascht. Wir haben in nur einer Woche sehr viel gesehen und erlebt, immer gut gegessen und in kleinen urigen Pensionen gewohnt. Geschichtlich ist es mit den verschiedenen Ethnien und dem direkten deutschen Bezug und den noch heute dort lebenden Siebenbürger Sachsen hoch interessant und man fühlt sich in den kleinen Dörfern wirklich wie auf einer Zeitreise.

 

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Kolumbien Teil II

Eigentlich wollten wir die Küste Kolumbiens und insbesondere die Hafenstadt Cartagena wegen der mangelnden Zeit auslassen, wir haben uns dann allerdings doch entschlossen Cartagena, dem touristischen Zentrum und Anlagehafen für viele Kreuzfahrtschiffe einen Besuch abzustatten. So haben wir spontan einen Flug von Pereira nach Cartagena gebucht.

Cartagena ist eine sehr hübsche Kolonialstadt, die jedoch leider von den Touristen und insbesondere Kreuzfahrttouristen überrannt wird. Ansonsten hält sich der Tourismus in Kolumbien wirklich in Grenzen, was uns sehr überrascht hat. Die meisten Touristen sind Kolumbianer, die nach der langen Zeit des Krieges mit den FARC Rebellen ihr Land bereisen.

Cartagena hat neben den vielen bunten Kolonialhäusern einige interessante, kunstvolle Grafittis zu bieten. Das Thermometer ist wieder auf über 30 Grad geklettert und so setzte sich der Wechsel zwischen warm und angenehm kühl auf unserer Reise fort. Wir haben die Gelegenheit genutzt und sind unauffällig bei einer Stadtführung der AIDA mitgelaufen und waren schockiert. Nicht nur die Führung war grottenschlecht: Es wurden fast gar keine Informationen vermittelt, während der eine Guide, der englisch sprach, eigentlich gar nichts gesagt hat, weil die Touristen Deutsche waren. Die deutschsprachige Führerin hat immer mal ein paar Brocken a la „Hier ist Stadtmauer, da ist Meer und da ist Stadt“ von sich gegeben, während man auf der Stadtmauer stand und sowohl das Meer als auch die Stadt gut selbst erspähen konnte. Ein älterer Herr hat sich zum Glück auch über diese Misere aufgeregt, während der Rest zufrieden hinter den Führern hergetrottet ist. Er sagte dann auch, dass die meisten Führungen wie diese seien. Ein Fotograf hat noch Fotos von der ganzen Gruppe gemacht, die man hinterher wohl an Board kaufen kann. Er hat Dorit und mich auch gefragt, ob wir auch von der AIDA kommen, aber wir haben gesagt, dass wir mit Mein Schiff 37 unterwegs sind. Die Führung kostete die AIDA Gäste übrigens 49 Euro. Erschreckend war auch wie sich die meisten Einheimischen gegenüber den Kreuzfahrttouristen verhalten haben und versuchten alles mögliche an sie zu verkaufen.

Wir hatten das Glück, dass wir eines späten Nachmittages in einem kleinen Park in Cartagena zwei Faultiere in den Bäumen entdeckt haben, bzw. sogar drei, denn ein Faultier trug noch ein Jungtier mit sich herum. Es war spannend zu beobachten wie sich die Faultiere in den Bäumen hin und her hangeln, sie waren sehr aktiv, wenn auch natürlich langsam in ihren Bewegungen und haben sogar den Baum gewechselt.

In Cartagena gibt es ganz gutes street food und so haben wir eigentlich die ganzen 2,5 Tage ausschließlich bei Straßenverkäufern gegessen, z.B. Fleischspieße oder Arepas (eine Art Brot mit Käse gefüllt). Insgesamt hat sich der Abstecher nach Cartagena sicher gelohnt, wobei ein Tag weniger auch völlig ausreichend gewesen wäre.

Von Cartagena sind wir nach Bucaramanga geflogen und von dort mit dem Bus nach Barichara gefahren. Barichara ist ein ca. 7000 Einwohner großes Dorf mit sehr schöner Architektur. Dort sind wir einen kurzen Wanderweg in das benachbarte Guane gegangen und haben uns das Dorf angeschaut. Auf Empfehlung unseres Gastgebers haben wir eine Suppe namens Mute probiert, die es nur sonntags gibt. Nach einiger Zeit entdeckten wir dann, dass sich auch Innereien in der Suppe befinden, was gar nicht nach unserem Geschmack war. Ich habe dann google befragt, was in der Suppe alles enthalten ist und nachdem ich Dorit vorgelesen habe, dass auch Schweinskopffleisch und Rinderfüße in die Suppe gehören, sah ihr Gesichtsausdruck so aus und der Appetit war leicht reduziert:

Anschließend sind wir in das nächste kleine Dorf weitergereist, nämlich nach Mongui. Nur, dass Mongui ca. 7-8h Busfahrt und 3x Umsteigen entfernt war. Man muss beim Busfahren in Kolumbien leider häufig umsteigen, da es selten Direktverbindungen gibt, wobei das Umsteigen immer problemlos und ohne große Wartezeit möglich war. Mongui war dann wieder eine relativ kühle Destination mit 12 Grad im Jahresdurchschnitt und auf 2900m Höhe gelegen, hier haben die Zimmer sogar eine Heizung. Mongui ist ein kleiner verschlafener Ort mit sehr wenig Tourismus. Alle Restaurants schließen schon früh, nur eines hat abends noch geöffnet. Mongui ist auch für seine Fußballproduktion bekannt. In Mongui angekommen, haben wir noch abends einen Tourguide besucht, um am nächsten Tag den Páramo de Ocetá zu wandern, welcher der eigentliche Grund ist, warum es uns nach Mongui verschlagen hat. Wir lernten Maria kennen, die gemeinsam mit ihrem Mann Wanderungen in den Páramo de Ocetá anbietet. Als Páramo bezeichnet man eine Art alpine Tundra und Kolumbien weist die meisten Páramos weltweit auf, wovon der Páramo de Ocetá als schönster weltweit gilt. Páramos sind aufgrund der Flora und vielen wasserspeichernden Pflanzen eine Art Wasserschwamm für die darunter liegenden Regionen, denn der höchste Punkt im Páramo de Ocetá ist 4050m hoch.

Ursprünglich wollten wir den Páramo auf dem Pferd erkunden, aber Maria und ihr Mann haben uns wegen der langen Anreise davon abgeraten, deshalb wurden wir am nächsten Morgen mit einem klapprigen Geländewagen an den Rand des Páramos gebracht, von wo wir mit Maria losgewandert sind. Am Vortrag haben sie uns 100 Mal gesagt wie wichtig es sei, dass wir genug Wasser und Proviant dabei haben und dass die Wanderung sehr anstrengend sei. Maria selbst hatte unzählige Bananen usw. mit dabei, was locker für uns drei gereicht hätte. Die Wanderung war sehr schön und obwohl wir bis zu 4000m hoch waren, war es nicht wirklich anstrengend. Wir haben das ganze Wasser und Proviant völlig umsonst mit uns rumgeschleppt und hätten auf vieles verzichten können. Zwischendurch hatten wir leider etwas Pech und eine Wolke hing direkt bei uns fest, sodass die Sicht nicht die beste war. Ihr Mann war zeitgleich mit zwei Kanadiern unterwegs, sie waren schon einige Zeit zuvor aus Mongui direkt losgewandert und wie ihr Mann ihr telefonisch mitteilte, ginge es einem der Kanadier nicht gut und er wollte deshalb mit uns mit dem Geländewagen zurückfahren. Da die Kanadier jedoch noch hinter uns waren, stimmten wir zu, dass wir einige Zeit auf ihn warten würden. Was wir jedoch nicht wussten, war, dass es ihm scheinbar noch so gut ging, dass er noch die ganze Wanderung im Parámo zu Ende bringen konnte, inkl. Anstieg auf 4000m Höhe uns erst dann zu uns kam, gemeinsam mit dem Mann Marias und dem anderen Kanadier. Wir warteten also geschlagene 2 Stunden auf ihn in der Kälte und als er dann ankam und keinerlei Beschwerden mehr hatte, war es mit unserer Laune dahin und speziell ich war ziemlich angepisst. Wir nahmen die drei im Kofferraum des Geländewagens mit runter, ich konnte meinen Unmut nicht mehr verbergen und so sind wir nicht gerade im Guten mit den Kanadiern und Maria auseinandergegangen.

Von Mongui ging es dann nach Villa de Leyva, einem weiteren Dorf im Kolonialstil mit jahrhundertealtem Kopfsteinpflaster und nur einstöckigen Häusern. Villa de Leyva ist ein beliebtes Ausflugsziel für Kolumbianer, speziell aus Bogota, denn es ist etwa 3-3,5h von Bogota entfernt. Bereits am Gründonnerstag füllte sich Villa de Leyva mit kolumbianischen Touristen. Wir besichtigten das sehenswerte Dorf und wanderten einen kleinen Berg hinauf, wo eine Jesus-Statue steht. Diese Wanderung den Hügel hoch war weitaus anstrengender als unsere Wanderung in Mongui und die meiste Zeit war der Untergrund sehr felsig. Von oben hatte man dann eine super Aussicht. Außerdem haben wir uns nach das Casa terracotta angeschaut, ein 500m2 großes Haus aus Terracotta, das größte Keramikobjekt der Welt.

Dorit hat auch noch einen neuen Verehrer gefunden, nämlich einen kleinen zotteligen Straßenhund, der ihr nicht mehr von der Seite wich und sie einen Tag später wiederentdeckte und sie erneut begleitete und das obwohl Dorit ihm eigentlich genug Anlass gegeben hat, sie nicht zu mögen. Die vielen Straßenhunde sind hier alle sehr friedlich, sehen meist gepflegt aus und werden von den Einheimischen gut behandelt. Als wir uns ein Mal ein Käse-Arepa kauften, das hart und trocken wie eine Schuhsohle war, bat ich es mehreren Straßenhunden an, doch keiner zeigte Interesse am Arepa.

Gerade sind wir erneut in Bogotá angekommen, unserer letzten Station. Bogotá gefällt uns gut, was man vom vielen Hauptstädten wie Jakarta oder Lima nicht unbedingt sagen kann. Die Karfreitagsumzüge sind hier im vollen Gange und viele Menschen sind draußen auf den Straßen.

Morgen werden wir über Panama zurück nach Frankfurt fliegen. Kolumbien hat uns sehr gut gefallen, die Menschen waren sehr höflich, nicht überschwänglich freundlich, aber man hat uns sehr nett und wie Einheimische behandelt. So muss man erstaunlicherweise nirgendwo um den Preis feilschen, weil die Preise immer korrekt und für alle gleich sind, das ist wohl die erste Reise, auf der ich nicht ein einziges Mal einen Preis verhandelt habe. Kolumbien ist ähnlich wie Peru landschaftlich sehr vielfältig, was natürlich auch seiner Größe geschuldet ist und so kann man viel entdecken. Das Essen war gut, wenn auch nicht so gut wie in Peru, aber die Tagesmenüs waren immer solide. Entgegen der vielen Vorurteile haben wir uns immer sehr sicher gefühlt. Jetzt schauen wir uns heute und morgen Vormittag noch etwas Bogotá an. Adiós Colombia!

Kategorien: Mexiko/Kolumbien 2018 | 2 Kommentare

Kolumbien Teil I

In Bogotá angekommen, haben wir abends im ältesten Restaurant Bogotás “la puerta falsa“ gegessen. Das Restaurant wurde schon 1816 eröffnet. Eine Spezialität ist dort eine heiße Schokolade, in die man ein dickes Stück Weißkäse eintaucht, hat gut geschmeckt. Daneben gab es Ajiaco, eine Art Hühnersuppe, die mehrere Kartoffelsorten und einen kleinen Maiskolben beinhaltet, ein wichtiges Gewürz im Ajiaco ist Guasca, auch Franzosenkraut genannt. Die Fenster unserer Unterkunft waren leider so dünn, dass der Straßenlärm und der Lärm der gegenüberliegenden Bar eins zu eins zu uns durchdrangen, sodass der Schlaf nachts leider suboptimal war.

Am nächsten Tag sind wir direkt mit dem Bus weiter in den Süden über Neiva (6h) nach Villavieja (1h) gefahren. Villvieja liegt am Rande der kleinen Tatacoa Wüste, welche nur 330km2 groß ist und ihren Namen einer ausgestorbenen Schlangenart verdankt. Die Durchschnittstemperatur beträgt dort 28 Grad im Jahr. Als wir ankamen, waren wir entsprechend von der Hitze geflasht, dabei war es schon abends. Hinzu kam, dass ziemlich viele Mosquitos ihr Unwesen trieben. Wir hatten eine kleines schnuckeliges Chalet, leider ohne Klimaanlage, aber mit 2 Ventilatoren und Mosquitonetz. Die Ventilatoren zielten mit maximaler Laufstärke die ganze Nacht auf unser Bett uns so war es gut erträglich.

Am nächsten Morgen sind wir schon sehr früh aufgebrochen und haben uns zur Wüste bringen lassen, von dort kann man kleine Wanderungen in die Wüste unternehmen und sich die verschiedenen Gesteinformationen anschauen. Diese sind vermutlich durch das Austrocknen eines Sees entstanden. Während ein Teil der Wüste eher rötlich/kupferfarben erscheint, ist ein anderer Teil der Wüste grau.

Bereits um 10 Uhr morgens war es dann nahezu unerträglich heiß, sodass wir dann schon vormittags mit unserem Tagesprogramm durch waren, bzw. an weitere Aktivitäten nicht mehr zu denken war. Also nahmen wir einen Nachtbus in Richtung Norden. Wegen der vielen Busunfälle in Kolumbien wollten wir Nachtbusse eigtl. meiden, aber leider war dies die einzige Verbindung in die Stadt Armenia. Man muss jedoch auch sagen, dass die Kolumbianer eigentlich recht friedlich fahren. Abends überkam mich dann schon ein extremes Völlegefühl und schließlich Übelkeit. Die Fahrt im Nachtbus war aber noch auszuhalten und um 04.40 Uhr morgens kamen wir in Armenia an. Ab 05.30 Uhr fuhr dann der erste Bus nach Salento.

Salento ist eine kleine Gemeinde im Kaffeeanbaugebiet Kolumbiens. In Salento wohnten wir auf einer kleinen wunderschönen Finca, 8 Zimmer, 40 Milchkühe, selbstgemachter Joghurt und Käse, eigene Pferde und unglaublich nette Besitzer. Pünktlich mit unserer Ankunft setzte bei mir dann auch der Durchfall ein, das gehört ja bei jeder Reise bei mir mit dazu, während Dorit glücklicherweise meist verschont bleibt. Also verbrachten wir den ersten Tag auf der Farm. Bei den Milchkühen handelt es sich übrigens um Holsteier Kühe, so eine Art Mercedes unter den Kühen. Am Abend hatte ich dann wieder ordentlich Hunger, nachdem ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte, führte ich meinen Magen gewohnt behutsam mit einem Brie/Schinken-Sandwich an die kommenden Herausforderungen heran. Das klappte soweit gut. Das Essen auf der Farm war echt gut, es gab nur eine kleine Speisekarte, bestehend aus ca. 6-8 Gerichten.

Dorit mag nicht wenn ich meine Medien nutze:

Die Spezialität in Salento ist eine lokal gezüchtete Forelle, die wirklich sehr gut schmeckte. Am nächsten Tag war ich wieder fit und nach einem reichhaltigen Frühstück brachte uns Hector, der Besitzer der Farm, mit dem Auto in das Cocora Tal, welches durch ein beeindruckendes Panorama und den größten Palmen der Welt besticht. Diese Quindio Wachspalmen werden bis zu 50, manchmal auch 60m hoch, haben eine Wachsschicht auf ihrer Rinde, wachsen sehr sehr langsam und werden mehrere hundert Jahre alt. Wir sind 4h durch das Tal gewandert, zuerst haben wir viele Palmen sehen können, später war es dann sehr waldig mit einigen Hängebrücken, die es zu überqueren galt und unterwegs haben wir einen Südafrikaner getroffen, der ein Faible für Vögel hat und entsprechend aus dem Häuschen war, als wir zufällig einen Kolibri gesehen haben.

Mittags gibt es, ähnlich wie in Peru, im vielen Restaurant ein Menu del dia, man hat also die Wahl zwischen 2-3 Gerichten, bekommt noch eine leckere Suppe und eine Limonade und das zu einem unschlagbaren Preis für nicht mal 3€. Wobei das Essen sonst in Kolumbien bisher zugegebenermaßen deutlich teurer war, auch auf unserer Farm.

Um die Tradition fortzusetzen, haben wir uns auch dieses Mal wieder für eine Reittour entschieden. Da auf der Farm ja auch Pferde sind, beispielsweise um auch die Milchkarren zu ziehen, waren wir zeitlich recht flexibel und sind direkt nach dem Frühstück losgeritten. Mit wem, weiß ich gar nicht, nur, dass er sonst in der Milchproduktion der Farm arbeitet. Er hat uns aufs Pferd gesetzt, ist vorgeritten und hat sich ansonsten sehr dezent im Hintergrund gehalten, was nicht unbedingt negativ ist und war stets freundlich. Zu Beginn war mit etwas mulmig, da die Pferde recht nervös wirkten, wir keine Helme hatten und ich ja nicht gerade der erfahrenste Reiter bin. Als dann noch das Gelände anspruchsvoll wurde, habe ich kurz überlegt umzukehren, aber ich bin froh, dass wir es nicht gemacht haben, denn dies war mit Abstand die beste Reittour auf unseren Reisen. Wir haben Flüsse durchquert, sind durch schöne Landschaft geritten und hatten anspruchsvolles Gelände zu durchqueren. Die Pferde, die anfangs nervös wirkten, hatten alles im Griff, sind zwar ab und an mal gestolpert und manchmal recht eigensinnig in den Trab gegangen, aber ich hab mein Pferd die meiste Zeit einfach machen lassen, es hat sich meist selbst den besten Weg gesucht und ich habe die Zügel relativ locker gehalten. Insgesamt also ein echtes Highlight diese Reittour.

Nachmittags haben wir dann noch eine Kaffeefarm besucht und dort eine 1,5h Tour mitgemacht. Es war interessant vom Anbau bis zur Prozessierung des Kaffees alles zu sehen. Im Kaffeepflücken haben wir uns dann auch noch geübt, jeder hat sich so einen Korb umgemacht und wir haben reife Kaffeebohnen gepflückt, da schlägt das Touristenherz doch gleich höher.

Weiter geht es dann bald mit Cartagena. Dorthin werden wir spontan fliegen, also etwas von unserer ursprünglichen Route abweichen und diese angeblich schönste Stadt Kolumbiens mit ihren schöne Kolonialhäusern an der Karibikküste besuchen.

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Schwein gehabt in Mexiko

Der reißerische Titel des Beitrages hat seinen Grund, denn wir saßen in Münster/Osnabrück am Abfluggate (es war günstiger von Münster/Osnabrück über Frankfurt nach Mexiko zu fliegen als aus Frankfurt direkt…) als uns auffiel, dass wir sämtliche Führerscheine nicht eingepackt haben, keine idealen Voraussetzungen um in Mexiko den schon gebuchten Mietwagen entgegen zu nehmen. Auf den internationalen Führerschein kann man scheinbar verzichten, doch auch an den nationalen Führerschein sollten wir wegen des schon knapp im Anschluss folgenden Weiterfluges nicht mehr kommen. In Frankfurt wollte uns die Landespolizei keine Bescheinigung über die deutsche Fahrerlaubnis ausstellen, als sie hörte, dass wir damit in Mexiko ein Auto mieten wollen. Hätten wir ihnen jedoch gesagt, wir möchten in Frankfurt ein Auto mieten und haben den Führerschein vergessen, wäre es kein Problem gewesen — danke dafür ihr Freunde und Helfer!

Aber meine Mutti hat netterweise bei der Polizei in Melle ihren Charme spielen lassen und kurze Zeit später hatten wir ein Foto einer Kopie meines schon seit 7 Jahren in der Mitte durchgebrochenen und zweigeteilten Führerscheins auf dem Handy, mit der netten handschriftlichen Bestätigung „FE vorhanden“ und einem Stempel der Polizei Melle.

Dorit war noch arg skeptisch, aber ich dachte mir damit lässt sich arbeiten. In Frankfurt durften wir in der Business Class Lounge den Farblaserdrucker benutzen und dann sah das schon ganz ordentlich aus.

Der 11h Flug mit Lufthansa war allererste Sahne. Immer werden die Golfairlines über den Klee gelobt, aber der Service und das Entertainment System waren besser als wir es bei Emirates, Etihad u co erlebt haben. Ich hatte dann noch einen kleinen Einsatz, denn ich war bei Lufthansa als doctor on board registriert und so kam irgendwann die Stewardess vorbei und bat um Hilfe bei einer älteren Dame mit zu hohem Blutdruck, Zittern und Erbrechen. Die medizinische Ausstattung war sehr gut und so ließ sich der Blutdruck problemlos senken, als Dank erhielt ich dann noch einen 100€ duty free Gutschein für onboard shopping.

In Mexiko bei der Autovermietung sagten wir dann ganz selbstverständlich „the German police said its no problem with this copy“, nach kurzem Überlegen hatten wir dann unseren VW Polo abfahrbereit.

In Tulum war unser Hotel direkt am puderzuckerfeinen Strand gelegen. Wir hatten ein Zimmer mit direktem Meerblick gebucht und das Hotel war sehr schön auf Stelzen gebaut, fast wie Baumhäuser, die miteinander verbunden waren. Tulum ist zwar kein Geheimtipp mehr, aber hat einen eigenen Charme, denn die Hotels sind alle sehr klein und super in die Natur integriert und meistens nur 1-2 geschossig. Unser Hotel hatte nur 6 Zimmer. Entsprechend teuer ist leider alles, so viel haben wir noch nie für eine Unterkunft gezahlt. Das Meer ist in Tulum jedoch recht rau und es gibt viel Seegrass, was wiederum viele Meeresschildkröten anlockt.

Unser Hotelzimmer:

Sicht vom Balkon:

Gemütliches Restaurant in Tulum:

Wenn man in Mexiko, bzw der Yucatan Halbinsel ist, darf man sich natürlich die Maya Ruinen nicht entgehen lassen. Und obwohl Dorit und ich keine Freunde von zu alten Steinen sind, die nur noch Grundrisse eines Gebäudes vermuten lassen, haben uns die Maya Ruinen sehr gut gefallen, vielleicht auch weil mehr als nur ein paar Steine zu sehen war 😉 . In Tulum gibt es direkt an der Küste eine wunderschöne Mayastätte, die vor allem dem Handel und der Religion diente, denn es lebten dort nur maximal 1600 Menschen.

Wie die Ruinen in die Natur integriert sind, war wirklich sehenswert und nebenbei fühlte man sich bei dem ganzen Getier, was dort rumläuft, fast noch wie im Zoo.

Maya-Stätten in Tulum:

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Tulum und Umgebung sind die Cenoten. Cenoten sind große Höhlen, die in Karstgebieten entstehen, bei denen dann an manchen Stellen die Decke einstürzt. So entsteht dann ein Loch in der Decke, durch das man in diese oftmals riesigen Unterwasserwelten eintauchen kann. Die mit 347km längste Unterwasserhöhle der Welt wurde erst Anfang 2018 in Tulum von Tauchern entdeckt, denn viele Cenoten sind miteinander verbunden und bieten paradiesische Tauchmöglichkeiten für Taucher, denn für die Maya waren die Cenoten damals ein Zugang zur Unterwelt, entsprechend viele Opfergaben finden sich dort. Eine Theorie warum die Maya so hoch entwickelt waren, liegt übrigens in der guten Wasserversorgung, denn man hat die Cenoten als Brunnen genutzt, während andere Hochkulturen Flüsse zur Wasserversorgung nutzten.

An einem weiteren Tag haben wir die ca. 1h entfernte Maya-Ruinen von Coba besucht. Dort ist die mit 42m Höhe höchste Maya Pyramide Yucatans zu finden. Neben der Pyramide gibt es noch viele weitere Residuen der Maya Siedlung, welche sich insgesamt über 70km2 erstreckte, wobei man sich keine geschlossene Siedlung sondern ein dünn besiedeltes Siedlungsgebiet vorstellen muss. Als die Spanier in Yucatan einfielen, war diese Siedlung schon komplett verlassen, warum weiß man nicht.

Nach dem Besuch einer weiteren Cenote und ein bisschen Entspannung am Strand und kulinarischen Gaumenfreuden, das Essen war wirklich sehr gut in Tulum, flogen wir dann schweren Herzens nach Bogotá.

Dorit in der Cenote:

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